Am 8. März 2011 feierte Hamburg wie alle Städte dieser Welt den Internationalen Frauentag und seinen 100. Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums hat sich ein Frauenbündnis aus Frauenverbänden, Frauengruppen und Frauenprojekten gebildet.
2011 hat dieses Bündnis ehemals eine Vielzahl von Veranstaltungen zum 8. März im Hamburger Rathaus ausgerichtet. Seitdem tritt dieses Bündnis jedes Jahr in Aktion. Ein bunter Strauß frauenpolitischer Herausforderungen zeigt, wie engagiert Frauen in Hamburg nach wie vor für Frieden und Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Emanzipation eintreten.
In Hamburg fand zum 100. Jubiläum des Frauen*tages ein umfassendes Programm in und ums Hamburger Rathaus und die Handelskammer statt. Hier findet sich eine Übersicht aller Veranstaltungen als PDF und in Form von Fotos. Die Eröffnungsrede von Professor Dr. h.c. Christa Randzio- Plath, Ehrenvorsitzende des Landesfrauenrats Hamburg, lässt sich als Video nachverfolgen.
Kommentar zum Jubiläum
100 Jahre Internationaler Frauentag – wo bleiben
Geschlechtergerechtigkeit und Emanzipation?
Als vor 100 Jahren der Internationale Frauentag in Kopenhagen auf dem Kongress der Sozialistischen Frauen-Internationale auf Vorschlag von Clara Zetkin beschlossen wurde, standen Frauenwahlrecht, Frieden und Frauenerwerbsarbeit auf der Agenda für Frauenbewegungen und engagierte Frauen.
Millionen Frauen gingen weltweit auf die Straße und demonstrierten für ihre Rechte. Viele von ihnen träumten vom Frauenwahlrecht als Mutter aller gleichstellungspolitischen Erfolge und waren der Überzeugung, dass ohne Frieden nichts ist. Heute wird das 20. Jahrhundert als Jahrhundert des Feminismus gefeiert. Daran haben die Erste und Zweite Frauenbewegung in Deutschland, Europa, aber auch weltweit ihren Anteil.
Geschlechtergleichstellung war und bleibt jedoch eine gesellschaftliche Machtfrage, die gerade im frauenpolitischen Entwicklungsland Deutschland immer noch nicht zugunsten einer geschlechterparitätischen Demokratie entschieden worden ist. Zu Recht sehen die Gender-Rankings von UNDP und Weltwirtschaftsforum Davos unter den zehn Staaten, die gleichstellungspolitisch Spitze sind, die nordischen Staaten mit ihren eher egalitären Gesellschaftsmodellen vorn.
Sie bewerten die auch von Frauen für besonders wichtig gehaltene Kategorien wie Gleichstellung im Erwerbsleben, Zugang zu Bildung und Gesundheit, aber überwiegend als Gleichstellung in politischen Entscheidungsfunktionen.
Die Emanzipation und die Gleichheit, zwei ungleiche Schwestern, die einander bedingen, prägten die frauenpolitischen Auseinandersetzungen über Jahrzehnte wie auch die symbolische Forderung nach Brot und Rosen, nach gleichem Lohn und gleicher Arbeit, nach Anerkennung und Würdigung weiblicher Leistungen. Eigentlich hat die Globalisierung diese Forderungen in ihrer Bedeutung verschärft. Frauen sind nicht gleichberechtigt beteiligt. Die neoliberale Wirtschaftspolitik, die Finanz- und Wirtschaftskrise gefährden zudem gleichstellungspolitische Errungenschaften, wenn Frauen zwar Schlüssel für Wachstumserfolge von Volkswirtschaften werden, aber dies überwiegend als „working poor“, die kein Auskommen mit ihrem Einkommen haben.
Menschenwürdige Arbeit wird vielen Frauen bis heute versagt. Und Frauen bleiben auf Grund ihres Geschlechts besonders verwundbar. Das zeigt sich in der Arbeitswelt, das zeigt sich an den Abtreibungsdebatten und um das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frau, aber auch in den vielen Gesichtern von Gewalt gegen Frauen, ein Menschenrechtsskandal, der unterbunden werden muss.
Trotz 100 Jahre Internationaler Frauentag gibt es sexualisierte Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe in den vielen Bürgerkriegen, gibt es Genitalverstümmelung, Zwangsprostitution und Frauenhandel. Und es gibt die alltägliche häusliche Gewalt, die jede vierte Frau trifft. Frauen- Menschenrechte und das Recht auf körperliche Integrität sind Grundvoraussetzung für Geschlechtergerechtigkeit. Geschlechterungerechtigkeit aber ist auch heute noch die soziale Ungleichheit, die die zwischenmenschlichen Beziehungen am stärksten prägt.
Rangfolge des Weltweiten Standes der Gleichstellung
Stand 2010
100 Jahre Internationaler Frauentag lädt ein zu Nachdenken und Aktion. Auch wenn die Frauenbewegungen weltweit ein wenig müde geworden sind, Frauennetzwerke und viele Frauen weben weiter, damit Geschlechtergerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe der Frauen an allen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftspolitischen Entscheidungen gelebter Alltag wird.
Professor Dr. h.c. Christa Randzio- Plath,
Ehrenvorsitzende Landesfrauenrat Hamburg
am 08.03.2011
Die Gründungsmitglieder des Frauen*bündnis zum 8. März 2011 setzen sich aus folgenden Institutionen und Gruppen zusammen.
Mitgliedsverbände des Landesfrauenrats Hamburg e.V.
Bündnismitglieder Pro:fem
Weitere Verbände
Wir danken unseren engagierten Mitgliedern für ihren
persönlichen Einsatz!